INCI lesen lernen — Die 10 roten Flags auf jedem Kosmetiketikett
Was steht wirklich in deiner Creme? Ein Leitfaden für alle, die es wissen wollen.
Inhalt
- Was ist die INCI-Liste überhaupt?
- So liest du eine INCI-Liste richtig
- Rote Flags #1–3: Parabene, Silikone & PEG-Verbindungen
- Rote Flags #4–6: Parfum, Mineralöle & Formaldehyd-Abspalter
- Rote Flags #7–10: Sulfate, Triclosan, Nano-Partikel & BHT/BHA
- Naturkosmetik als saubere Alternative
- Was marokkanische Hautpflege anders macht
Was ist die INCI-Liste überhaupt?
Laut EU-Kosmetikverordnung muss jedes Kosmetikprodukt, das in Europa verkauft wird, eine vollständige Inhaltsstoffliste tragen — die sogenannte INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients). Das ist keine freiwillige Angabe, sondern Pflicht. Und trotzdem lesen die wenigsten Menschen dieses winzig gedruckte Kürzel auf der Rückseite ihrer Tagescreme.
INCI ist ein weltweit standardisiertes System, das jeden Inhaltsstoff mit einem einheitlichen lateinischen oder englischen Namen bezeichnet. Das Wort "Aqua" steht immer für Wasser, "Butyrospermum Parkii" für Sheabutter, "Argania Spinosa Kernel Oil" für Arganöl. Diese Vereinheitlichung macht es möglich, Produkte aus aller Welt auf einen Blick zu vergleichen — wenn man die Sprache kennt.
Die eigentliche Herausforderung: In einer einzigen Tagescreme können 30 bis 60 verschiedene Inhaltsstoffe stecken. Viele davon sind harmlos oder sogar hautpflegend. Einige wenige sind es nicht. Und genau die verstecken sich oft im Mittelfeld der Liste, wo kaum jemand hinschaut.
So liest du eine INCI-Liste richtig
Bevor wir zu den roten Flags kommen, kurz die Grundregeln: Diese vier Dinge helfen dir dabei, jede INCI-Liste in unter zwei Minuten einzuschätzen.
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Reihenfolge beachten: Je weiter vorne ein Stoff steht, desto mehr davon steckt im Produkt. Alles, was nach einer Konzentration von unter 1 % kommt (oft ab dem letzten Drittel der Liste), ist mengenmäßig minimal — kann aber trotzdem wirksam oder problematisch sein.
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Wasseranteil einschätzen: Steht "Aqua" weit oben, ist das Produkt stark wasserbasiert. Das ist per se nicht schlecht, zeigt aber, dass der Wirkstoffanteil entsprechend geringer ist. Viele hochwertige Naturkosmetika verzichten ganz auf Wasser.
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Konservierungsmittel suchen: Sie stehen fast immer weit hinten in der Liste, weil sie nur in kleinsten Mengen eingesetzt werden. Trotzdem sind es oft die Stoffe mit dem höchsten Allergenpotenzial.
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Parfum / Fragrance erkennen: Das Wort "Parfum" oder "Fragrance" ist ein Sammelbegriff, hinter dem sich bis zu 100 verschiedene chemische Verbindungen verstecken können — ohne Einzelangabenpflicht. Mehr dazu weiter unten.
Rote Flags #1–3: Parabene, Silikone & PEG-Verbindungen
Diese drei Gruppe tauchen in der überwältigenden Mehrheit aller konventionellen Pflegeprodukte auf — von der Drogerie bis zum Luxussegment. Hier ist, was du wissen musst:
Parabene
Erkennbar an Endungen wie -paraben: Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben, Ethylparaben. Parabene sind synthetische Konservierungsstoffe, die seit Jahrzehnten in Kosmetika eingesetzt werden. Das Problem: Sie wirken im Körper wie schwache Östrogene (sogenannte endokrine Disruptoren) und wurden in menschlichem Brustgewebe nachgewiesen. Die EU hat zwar einige Parabene verboten oder eingeschränkt, die häufig verwendeten Methyl- und Ethylparabene sind aber noch immer legal. Für Kinder unter drei Jahren und auf Windelbereich sind sie nicht empfohlen.
Silikone
Erkennbar an Endungen wie -siloxane, -cone, -conol: Dimethicone, Cyclomethicone, Cyclopentasiloxane. Silikone legen sich wie ein Film über Haut und Haare und täuschen so Geschmeidigkeit und Fülle vor. Tatsächlich verstopfen sie die Poren, behindern den natürlichen Gasaustausch der Haut und bauen sich in der Umwelt kaum ab — besonders Cyclosiloxane sind ökotoxikologisch bedenklich. In der EU ist Cyclotetrasiloxane (D4) und Cyclopentasiloxane (D5) in Wash-off-Produkten bereits beschränkt.
PEG-Verbindungen
Erkennbar an PEG- gefolgt von einer Zahl: PEG-40, PEG-100 Stearate, PEG-7 Glyceryl Cocoate. Polyethylenglycole (PEG) sind Erdölderivate, die als Emulgatoren, Lösungsmittel oder Feuchtigkeitsspender eingesetzt werden. Für sich allein genommen sind sie meist wenig bedenklich — das eigentliche Problem: Sie erhöhen die Durchlässigkeit der Hautbarriere und erleichtern dadurch anderen Wirkstoffen (und Schadstoffen) den Eintritt in den Körper. Zudem können sie mit Verunreinigungen wie 1,4-Dioxan und Ethylenoxid belastet sein, die im Herstellungsprozess entstehen.

Rote Flags #4–6: Parfum, Mineralöle & Formaldehyd-Abspalter
Diese drei gehören zu den häufigsten Auslösern von Kontakallergien in der Dermatologie. Gleichzeitig sind sie die Inhaltsstoffe, bei denen Hersteller am meisten verschleiern können.
Parfum / Fragrance
Ein einzelnes Wort auf der Inhaltsstoffliste — und dahinter verbergen sich potenziell Dutzende chemische Verbindungen. Die EU verpflichtet Hersteller nur dazu, 26 bekannte Duftstoffallergene namentlich zu listen, wenn sie in bestimmten Konzentrationen vorkommen. Der Rest darf unter "Parfum" zusammengefasst werden. Laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft ist Parfum/Fragrance einer der häufigsten Auslöser von Kontaktallergien überhaupt. Wer empfindliche Haut hat, sollte grundsätzlich auf parfümierte Produkte verzichten.
Mineralöle (MOSH/MOAH)
Erkennbar als: Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Cera Microcristallina, Mineral Oil. Mineralöle sind Erdölderivate, die als Feuchtigkeitsspender und Weichmacher eingesetzt werden. Sie sind günstig, stabil und weit verbreitet — und zeigen auf der Haut kurzfristig gute Ergebnisse, weil sie die Verdunstung verhindern. Langfristig aber unterbinden sie die natürliche Hautfunktion und lassen die Haut schnell "trocken" ohne das Produkt werden. Besorgniserregend ist außerdem: Mineralöl-Aromate (MOAH) stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat dazu mehrfach Stellung genommen.
Formaldehyd-Abspalter
Erkennbar als: DMDM Hydantoin, Imidazolidinyl Urea, Diazolidinyl Urea, Quaternium-15, Bronopol. Diese Verbindungen werden als Konservierungsstoffe eingesetzt und setzen im Laufe der Zeit langsam Formaldehyd frei — einen bekannten Hautsensibilisator und Karzinogen. Formaldehyd selbst ist in Kosmetika verboten; seine Abspalter sind es nicht. Das Paradoxon: Sie tun genau das, was Formaldehyd täte, nur langsamer.
Rote Flags #7–10: Sulfate, Triclosan, Nano-Partikel & BHT/BHA
Die letzten vier roten Flags finden sich besonders in Haarpflegeprodukten, Zahncremes, Deodorants und Anti-Aging-Cremes — also in genau jenen Kategorien, bei denen wir besonders auf Wirkung setzen.
Sulfate (SLS & SLES)
Erkennbar als: Sodium Lauryl Sulfate (SLS), Sodium Laureth Sulfate (SLES), Ammonium Lauryl Sulfate. Sulfate sind aggressive Tenside, die für den Schaum in Shampoos, Duschgels und Reinigern verantwortlich sind. SLS ist so reaktiv, dass es in Labors standardmäßig eingesetzt wird, um bei Studienteilnehmern zuverlässig Kontaktdermatitis auszulösen — als Positivkontrolle. Auf empfindlicher Kopfhaut oder bei Neurodermitis kann SLS die Hautbarriere dauerhaft schädigen und den pH-Wert aus dem Gleichgewicht bringen.
Triclosan
Erkennbar als: Triclosan, gelegentlich als Irgasan oder CH 3565. Ein antibakterieller Wirkstoff, der früher massenhaft in Zahnpasten, Seifen und Deodorants eingesetzt wurde. Die US-amerikanische FDA hat Triclosan 2016 in Waschprodukten verboten; die EU hat die Konzentration in Zahnpasten auf 0,3 % begrenzt. Das Problem: Triclosan steht in Verdacht, die Entwicklung antibiotikaresistenter Bakterien zu fördern, die Schilddrüsenfunktion zu beeinflussen und in Gewässern Ökosysteme zu schädigen. In Europa noch legal, aber zunehmend unter Druck.
Nano-Partikel
Erkennbar durch den Zusatz [nano] hinter dem Inhaltsstoffnamen — seit 2013 EU-Pflicht. Nano-Partikel sind Substanzen, deren Teilchen kleiner als 100 Nanometer sind. In Sonnencremes werden sie eingesetzt, um Titandioxid und Zinkoxid unsichtbar zu machen. Das Risiko: Nanopartikel können die Hautbarriere überwinden und in tiefere Gewebeschichten eindringen. Für das lungengängige Titandioxid (nano) hat die EU im Jahr 2021 eine Einschränkung als Karzinogen Kategorie 2 eingeführt — in Sprühprodukten ist es seitdem verboten.
BHT & BHA
Erkennbar als: BHT (Butylated Hydroxytoluene), BHA (Butylated Hydroxyanisole). Synthetische Antioxidantien, die in fetthaltigen Kosmetika eingesetzt werden, um Ranzigkeit zu verhindern. BHA wird von der IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) als möglicher Karzinogen für den Menschen eingestuft (Gruppe 2B). Beide gelten zudem als endokrine Disruptoren und sind in der Umwelt persistent. Die EU hat eine Risikobewertung eingeleitet, aber beide Stoffe sind noch immer legal und weitverbreitet.
Naturkosmetik als saubere Alternative
Zertifizierte Naturkosmetik (z. B. nach NATRUE oder COSMOS-Standard) schließt alle zehn genannten Stoffgruppen kategorisch aus. Das ist keine Marketingaussage, sondern eine vertraglich festgelegte Bedingung für das Siegel. Doch selbst ohne Siegel gibt es eindeutige Zeichen, dass ein Produkt sauber formuliert ist:
- Kurze INCI-Liste mit erkennbaren Pflanzennamen
- Keine Endigungen auf -paraben, -siloxane, -cone
- Konservierung durch natürliche Substanzen wie Benzyl Alcohol (aus Jasmin), Salicylic Acid (aus Weidenrinde) oder Tocopherol (Vitamin E)
- Kein "Parfum" ohne ergänzende Einzellistung der Duftstoffe
- Fette, Öle und Wachse mit pflanzlichem Ursprung statt Petrolatum
Besonders konsequent sind traditionelle marokkanische Schönheitsprodukte, die seit Jahrhunderten ohne synthetische Zusätze auskommen — weil sie schlicht nicht existiert haben, als diese Produkte entwickelt wurden. Rhassoul, Beldi-Seife, Kessa-Handschuh, Aker Fassi: Das sind Formulierungen, die seit Generationen unverändert funktionieren. Nicht weil sie "natürlich" klingen, sondern weil sie es sind.

Was marokkanische Hautpflege anders macht
In traditionellen marokkanischen Hammams besteht das gesamte Reinigungsritual aus vier Zutaten: Wasser, Beldi-Seife, Kessa-Handschuh und Ghassoul. Keine dieser Zutaten enthält Parabene, Silikone, PEG oder Sulfate. Und das ist kein Zufall — es ist das Ergebnis von Jahrhunderten praktischer Optimierung.
Beldi-Seife (Savon Beldi) besteht traditionell aus schwarzen Oliven, Wasser und Salz. Sie hat einen hohen pH-Wert und erweicht die Haut so, dass Verhornungen sich leicht ablösen lassen — ohne die Schutzfunktion dauerhaft zu beeinträchtigen. Die INCI-Liste einer echten Beldi-Seife ist oft nur drei Einträge lang.
Ghassoul ist eine vulkanische Lavaerde aus dem Atlas-Gebirge, die durch elektrostatische Ladung Schmutz und überschüssiges Fett bindet, ohne die natürlichen Lipide der Haut zu entfernen. Keine Tenside, kein Schaum, keine synthetische Chemie. Der INCI-Name: Moroccan Lava Clay. Das war es.
Diese Einfachheit ist der stärkste Kontrast zu konventionellen Produkten, die oft mehr Ingredienzien zur Stabilisierung, Konservierung und Maskierung brauchen als zur eigentlichen Pflege. Wer einmal gelernt hat, INCI-Listen zu lesen, wird diesen Unterschied auf Anhieb sehen.

Beldi Seife
Traditionelle marokkanische Schwarzseife — INCI-Liste mit nur natürlichen Inhaltsstoffen. Reinigt tief, ohne die Hautbarriere zu stören.
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Ghassoul Lavaerde
Pure Atlaserde — ein einziger Inhaltsstoff, null Zusätze. Reinigt Gesicht, Kopfhaut und Körper durch natürliche Adsorption.
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Kessa Peelinghandschuh
100 % Viskosefaser — kein einziges Ingredient auf der INCI-Liste, weil keine Chemie nötig ist. Mechanisches Peeling ohne Mikroplastik.
Jetzt entdeckenHäufige Fragen zum INCI lesen
Sind alle synthetischen Inhaltsstoffe gefährlich?
Nein — nicht automatisch. Viele synthetische Stoffe sind gut untersucht und unbedenklich. Die Frage ist immer: Wie häufig verwendest du das Produkt? Auf welche Hautstelle wird es aufgetragen? Wie lang bleibt es auf der Haut? Ein Rinse-off-Produkt wie Duschgel spült du nach wenigen Sekunden ab — das reduziert die Exposition erheblich. Bei einer Tagescreme, die du täglich aufträgst und stundenlang trägst, gelten andere Maßstäbe. Besondere Vorsicht ist bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit geschädigter Hautbarriere geboten.
Was bedeutet "natürlich" auf einer Kosmetikverpackung?
Leider sehr wenig — der Begriff ist gesetzlich nicht geschützt und kann von jedem Hersteller beliebig verwendet werden. Ein Produkt kann "natürlich" auf der Vorderseite stehen haben und trotzdem Parabene, PEG-Verbindungen und Mineralöle in der INCI-Liste führen. Verlässliche Orientierung bieten nur anerkannte Zertifizierungen wie NATRUE, COSMOS Organic oder das deutsche BDIH-Siegel. Diese Siegel schreiben den Verzicht auf die bekannten Problemstoffe vertraglich vor und werden von unabhängigen Prüfstellen kontrolliert.
Wie erkenne ich echte Naturkosmetik ohne Siegel?
Schau auf die INCI-Liste und zähle Pflanzennamen: Klingt der überwiegende Teil der Inhaltsstoffe nach Pflanzen, Mineralien oder bekannten natürlichen Substanzen? Gibt es keine Einträge, die auf -paraben, -siloxane, -cone enden? Ist "Parfum" entweder gar nicht enthalten oder durch spezifische Einzelduftstoffe ergänzt? Ist die Liste kurz und verständlich? Wenn du vier von fünf Fragen mit Ja beantworten kannst, bist du auf einem guten Weg. Für absolute Sicherheit ist und bleibt ein anerkanntes Zertifizierungssiegel die verlässlichste Methode.
Saubere Inhaltsstoffe. Marokkanische Tradition.
Alle EVARGANA-Produkte kommen ohne Parabene, Silikone, PEG und synthetische Konservierungsstoffe aus — weil die Tradition es so vorschreibt.
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