Der Greenwashing-Test — 7 Fragen, die du jedem Naturkosmetik-Hersteller stellen solltest
"Natürlich", "Bio", "Öko" — was diese Worte wirklich bedeuten (und was nicht).
Das Problem mit "natürlich"
"Natürlich" ist kein geschützter Begriff in der EU-Kosmetikregulierung. Ein Produkt darf als "natürlich" vermarktet werden, wenn es eine einzige pflanzliche Zutat enthält — der Rest kann aus synthetischen Silikonen, Mineralöl und Konservierungsstoffen bestehen. Das ist keine Randerscheinung: Eine Untersuchung des deutschen Verbraucherschutzvereins Foodwatch aus 2023 ergab, dass 68 % der als "natürlich" beworbenen Körperpflegeprodukte im deutschen Markt synthetische Hauptingredienzien enthalten.
Greenwashing in der Kosmetikbranche ist ein Milliardengeschäft. Die globale "Natural Beauty"-Kategorie wächst mit 8–12 % jährlich — was bedeutet, dass konventionelle Kosmetikunternehmen massive Anreize haben, ihre bestehenden Produkte mit neuen Labels zu versehen, ohne Formeln zu ändern. Für dich als Käuferin bedeutet das: Vertrauen ist kein ausreichendes Fundament. Wissen schon.
Die 7 Greenwashing-Testfragen
Diese Fragen kannst du direkt an Hersteller stellen — per E-Mail, in sozialen Medien oder im Laden. Die Qualität und Reaktionsbereitschaft der Antworten sagt oft mehr als die Antwort selbst.
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1Welcher Anteil der Inhaltsstoffe ist tatsächlich natürlichen Ursprungs — nach INCI-Anteil, nicht nach Marketingversprechen?
Ein seriöser Hersteller nennt dir einen konkreten Prozentsatz (z.B. "95 % natürlicher Ursprung nach ISO 16128") und erklärt, wie er berechnet wird. Ausweichende Antworten wie "wir sind so natürlich wie möglich" sind ein rotes Flag. -
2Woher stammen eure Hauptrohstoffe — und habt ihr Beziehungen direkt zu den Produzenten?
Lieferkettentransparenz ist schwierig, aber nicht unmöglich. Hersteller, die direkte Beziehungen zu Rohstoffproduzenten haben, wissen die Antwort. Solche, die über Zwischenhändler kaufen, wissen sie oft nicht — und das sollten sie zugeben, statt zu erfinden. -
3Welche Konservierungsstoffe verwendet ihr — und warum?
Konservierung ist in Kosmetika notwendig und kein Problem per se. Problematisch ist, wenn Marken synthetische Konservierungsstoffe verwenden und gleichzeitig "frei von Konservierungsstoffen" behaupten, weil sie andere Bezeichnungen nutzen (z.B. Phenoxyethanol statt Paraben). Legitime Optionen: Rosmarinextrakt, Tocopherol, Benzoesäure aus natürlichen Quellen. -
4Ist euer Produkt tierleidfrei — und was genau bedeutet das für euch?
"Cruelty-free" ist ebenfalls unreguliert. Manche Marken testen selbst nicht, beauftragen aber Dritte damit. Andere verkaufen in China, wo Tierversuche für bestimmte Importkosmetika gesetzlich vorgeschrieben waren (Regelung änderte sich 2021 partiell). Frag nach: Verkauft ihr in China? Testet ihr über Drittparteien? -
5Warum ist euer Produkt so günstig — oder so teuer?
Echter Ghassoul aus dem Atlas kostet in der Rohware mehr als chinesischer Ersatzton. Echtes Arganöl kostet mehr als Sonnenblumenöl mit Arganduft. Wenn ein "Naturkosmetik-Produkt" deutlich günstiger ist als vergleichbare echte Naturprodukte, lohnt sich die Frage nach den Rohstoffquellen. -
6Welche Verpackung verwendet ihr — und gibt es Daten zur tatsächlichen Recyclingquote?
"Recyclebar" bedeutet nicht "wird recycelt". Dunkle HDPE-Kunststoffe sind in vielen deutschen Kommunen nicht sortierbar. Glas wird recycelt, erhöht aber den CO₂-Fußabdruck durch Gewicht. Nachfülllösungen oder Papierverpackungen sind oft ehrlicher als komplizierte "eco-design" Plastikflacons. -
7Was würde sich an eurem Produkt ändern, wenn ihr alle synthetischen Inhaltsstoffe ersetzen würdet?
Diese Frage ist entlarvend. Wenn die Antwort "eigentlich nichts" ist — warum sind sie dann drin? Wenn die Antwort ehrlich ist ("Haltbarkeit würde sinken", "Textur würde sich ändern"), zeigt das, dass die Marke ihre Formeln versteht und keine Nebelkerzen wirft.
Was Zertifikate wirklich aussagen
Zertifikate sind nicht wertlos — aber sie sind auch keine Garantie. Hier ein ehrlicher Überblick:
| Zertifikat | Was es prüft | Was es nicht prüft |
|---|---|---|
| COSMOS Organic | Min. 95 % bio-zertifizierte Pflanzeninhaltsstoffe, max. 5 % synth. Zusätze | Soziale Standards, CO₂-Fußabdruck, faire Bezahlung |
| NATRUE | Natürlichkeitsgrad, keine bestimmten Synthetika | Lieferkette, Herkunftsnachweise |
| Ecocert | Natürlicher Ursprung der Inhaltsstoffe, ökologische Landwirtschaft | Verpackung, Transportemissionen |
| BDIH | Verbotsliste synthetischer Stoffe, keine Tierversuche | Soziale Gerechtigkeit, Wasserverbrauch |
| Keine Zertifizierung | — | Kann trotzdem ausgezeichnete Qualität bedeuten, wenn Transparenz vorhanden |
Inhaltsstoffe lesen lernen
Die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist gesetzlich vorgeschrieben und listet alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil. Die ersten fünf Zutaten machen typischerweise 80–95 % des Produkts aus. Hier sind die wichtigsten Signale:
Signale für echte Naturkosmetik in der INCI-Liste:
- Pflanzenöle stehen früh (z.B. Argania Spinosa Kernel Oil, Olea Europaea Fruit Oil)
- Pflanzennamen in Latein mit konkreter Pflanzenbezeichnung (Lavandula Angustifolia statt vage "Kräuterextrakt")
- Wasser (Aqua) als Basis ist normal und kein Problem
- Kurze Listen mit erkennbaren Inhaltsstoffen
Warnsignale in der INCI-Liste:
- Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil — Mineralölderivate
- Dimethicone, Cyclomethicone, Siloxane — Silikone
- PEG-Verbindungen (z.B. PEG-40) — synthetische Emulgatoren
- Methylisothiazolinone, Methylchloroisothiazolinone — aggressive Konservierungsstoffe
- "Parfum" ohne weitere Angabe — kann hunderte synthetischer Verbindungen enthalten
Herkunftsangaben und Lieferketten
Marokkanische Naturkosmetik — Arganöl, Ghassoul, Beldi-Seife, Aker Fassi — hat in den letzten Jahren einen globalen Boom erlebt. Das hat eine Schattenseite: Es gibt erhebliche Mengen Produkte auf dem Markt, die "marokkanisches Arganöl" oder "echten Ghassoul" versprechen, tatsächlich aber Rohstoffe aus anderen Quellen enthalten oder marokkanische Verarbeitung nur als Marketing nutzen.
Konkrete Fragen zur Herkunft, die du stellen kannst:
- In welcher Region des Atlas wird euer Ghassoul abgebaut?
- Wird euer Arganöl in einer marokkanischen Frauenkooperative kaltgepresst?
- Habt ihr eine direkte Partnerschaft mit Produzenten — oder kauft ihr über Zwischenhändler?
- Wie viel bezahlt ihr für das Kilo Rohstoff — und wie viel davon geht an die Produzenten?
Was EVARGANA anders macht
Wir sind eine kleine Marke, und Transparenz ist für uns kein Marketinginstrument — sie ist eine Notwendigkeit, weil wir keine Ressourcen für etwas anderes haben. Unsere Produkte kommen aus direkten Lieferantenbeziehungen in Marokko. Das bedeutet konkret:
- Unser Ghassoul wird im mittleren Atlas abgebaut und direkt zu uns geliefert — keine Zwischenhändler, die den Ursprung verwischen
- Unsere Beldi-Seife wird von einem marokkanischen Familienbetrieb handgefertigt, der seit drei Generationen produziert
- Wir haben keine Zertifizierung — nicht weil wir sie nicht wollen, sondern weil die Kosten für unsere Größe prohibitiv sind. Stattdessen: vollständige INCI-Listen, Herkunftsangaben und direkte Antworten auf deine Fragen
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Ist "vegan" ein Zeichen für gute Naturkosmetik?
Nicht zwingend. Vegan bedeutet nur: keine tierischen Inhaltsstoffe oder Tierversuche. Ein Produkt kann zu 100 % synthetisch, voller Mineralöl und petrochemischer Verbindungen sein — und trotzdem vegan. Vegan ist ein ethisches Statement bezüglich Tieren, kein Qualitätsmerkmal für natürliche Inhaltsstoffe. Beides gleichzeitig (vegan + wirklich natürlich) ist möglich und gut — aber das "vegan"-Label allein sagt dir wenig über die Qualität der Inhaltsstoffe.
Warum darf eine Marke "Bio" auf das Etikett schreiben, ohne zertifiziert zu sein?
In der EU ist "Bio" in der Lebensmittelkennzeichnung geschützt und durch die EU-Öko-Verordnung reguliert. Für Kosmetika gilt das nicht in gleicher Weise. Eine Marke kann ein Produkt als "mit Bio-Inhaltsstoffen" beschriften, solange einzelne Inhaltsstoffe aus bio-zertifizierter Landwirtschaft stammen. Die Grauzone ist groß. Wenn dir Bio-Zertifizierung wichtig ist: Suche explizit nach COSMOS Organic, BDIH oder Ecocert-Logos — nicht nur nach dem Wort "Bio" auf der Verpackung.
Kann ich Greenwashing anzeigen oder melden?
Ja. In Deutschland ist die Wettbewerbszentrale (wettbewerbszentrale.de) zuständig für irreführende Werbeaussagen und nimmt Beschwerden über Greenwashing entgegen. Verbraucherzentralen (verbraucherzentrale.de) beraten kostenlos. Auf EU-Ebene trat 2024 die Green Claims Directive in Kraft, die Nachweispflichten für Umweltbehauptungen einführt — die Umsetzung in nationales Recht läuft bis 2026.
Naturkosmetik, die transparent ist
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